Miteinander reden, statt übereinander

Bild der TeilnehmerInnen des Austauschtreffens (Christina Ruck): v.l. Ralf Prosch, Yasin Yavuz, Murat Akgün, Tomi Neckov, Fatih Baskaya, Susanne Winter, Ayfer Rethschulte, Martina Gießübel, Karl Straub, Halil Cesur, Gertrud Türk, Henriette Dinkel, Yusuf Ülgül, Hamzeh Alkheder, Thomas Pharo, Meral Agirdag, Daniel Hub und Cem Ak

Bereits vor Beginn der Runde informierte sich Straub ausführlich über die Arbeit des Jobbegleiters und des Ausbildungsakquisiteurs. Hamzeh Alkheder, der seit sieben Jahren als Jobbegleiter bei der GbF tätig ist, berichtete von seinen Erfolgen, aber auch den Misserfolgen, die er manchmal hinnehmen muss. „Eine umfassende Betreuung und Unterstützung von Geflüchteten aus Syrien ist nach wie vor unabdingbar, denn Viele tun sich immer noch schwer, insbesondere unser Schulsystem zu verstehen“, sagt Alkheder. Mit diesen Herausforderungen ist er jeden Tag aufs Neue konfrontiert. Straub lobte ausdrücklich das Engagement des Jobbegleiters und des Ausbildungsakquisiteurs Halil Cesur, der das gesamte Treffen organisiert hat.


Danach setzte Karl Straub sich direkt mit den Vertreterinnen und Vertretern der Gemeinden aus Schweinfurt zusammen, um gezielt mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Der Austausch mit ihnen war für Straub von enormer Bedeutung. Er hat sich bewusst für diese anspruchsvolle Aufgabe des Integrationsbeauftragten entschieden, um gemeinsam mit anderen viel bewegen zu können. Deshalb reist er unermüdlich durch ganz Bayern. Gerade in schwierigen Zeiten, in denen sich viele Ereignisse überschlagen, gewinnen solche Austauschrunden immer mehr an Bedeutung. „Ich bin kein Schönwetter-Politiker“, sagt Straub. Die Nähe zu den Menschen sei für ihn sehr wichtig. Nur so könne man die Anliegen von Menschen wahrnehmen und wenn möglich, gemeinsam agieren und so die Gesellschaft formen. „Trotz einiger Hürden, sind wir auf einem guten Weg“ so Straub.


Die Diskussionen waren breit gefächert, von den bürokratischen Hürden bis hin zu den Herausforderungen, mit denen Migranten in bestimmten Berufsfeldern konfrontiert sind, wie beispielsweise in der Verwaltung. Besonders im Fokus standen jedoch die Themen Bildung und Ausbildung für junge Menschen mit Migrationshintergrund. Denn Bildung ist der Schlüssel, um eine effektive wirtschaftliche und soziale Integration in unsere Gesellschaft zu erreichen.


Als langjähriger Ausbildungsakquisiteur der GbF Schweinfurt kennt besonders Halil Cesur die Sorgen und die Anliegen von Menschen mit Migrationswurzeln nur zu gut. „Für mich ist ein solcher, allgemeiner Austausch und die Nähe zu den Kompetenzträgern extrem wichtig“ so Cesur. Man habe als Migrant sehr oft das Gefühl, benachteiligt zu sein.


Die GbF Schweinfurt leistet hier seit ihrer Gründung eine Pionierarbeit. Sie wurde 1980 mit der Aufgabe gegründet, perspektivlose junge Menschen mit türkischer Herkunft beruflich zu integrieren. Aktuell werden von der GbF Schweinfurt über 3.000 SchülerInnen unterschiedlicher Herkunft durch verschiedene Maßnahmen und Projekte betreut, betonte bei ihrer Öffnungsrede Henriette Dinkel, Prokuristin der GbF ausdrücklich. „Wir betreuen SchülerInnen an vielen Schulen in der Region und versuchen bei unserer Arbeit auch immer die Eltern mit ins Boot zu holen, denn oft werden berufliche Entscheidungen im Familienverband getroffen. Aus diesem Grund ist die enge Zusammenarbeit mit den Gemeinden für uns immens wichtig“ so Dinkel.


Die Bürokratie bei der Jobvermittlung von Pflegekräften, aber auch bei allen anderen Berufen müsse abgebaut werden, sagt Rethschulte. „Letztens war eine Pflegekraft mit Touristenvisum da und wäre gerne als Krankenschwester bei uns geblieben, musste aber ausreisen, weil sie mit einem Arbeitsvisum kommen musste.“ Neckov meinte abschließend: „Ob es gelingt, Menschen mittel- und langfristig in unsere Gesellschaft zu integrieren, hängt ganz wesentlich von der Schule ab. Denn der Schlüssel zur Integration sind Sprache und Bildung. Unsere Schulen sind Kompetenzzentren für Integration. Deshalb benötigen Bildungseinrichtungen ausreichend Ressourcen, damit eine nachhaltige Integration der Kinder und Jugendlichen möglich ist. Schulen sind ein gesellschaftliches Vorbild und Lernfeld für ein friedliches und menschliches Miteinander.“


Vom Azubi zum Arbeitgeber

Straub kam auch nach Schweinfurt, um sich gelungene Integrationsbeispiele vor Ort anzusehen. Der damalige Integrationsbeauftragte Martin Neumeyer besuchte vor 12 Jahren Mustafa Cetin während seiner Ausbildung. Heute ist Mustafa (30 Jahre) ein erfahrener Kfz-Meister mit eigener Werkstatt. Er bildet aus, um den Erhalt seiner Werkstatt langfristig zu gewährleisten. Er vergleicht seine Ausbildungszeit von damals mit heute und meint, dass die heutige Jugend völlig anders "tickt" als zu seiner Jugendzeit. „Ich kann es manchmal verstehen, wenn manche Betriebe nicht mehr ausbilden wollen“, meint Mustafa schmunzelnd. Ohne die Unterstützung Herrn Cesur`s hätte er den Schritt in die Selbstständigkeit nicht gewagt. Für die Zukunft hat er konkrete Pläne und geht dafür in die Offensive: Anfang Juni zieht er in noch größere Räumlichkeiten um.


Auch Kleinbetriebe spüren den Fachkräftemangel

Die Autohaus Galerie in Sennfeld hat seit ein paar Jahren Schwierigkeiten passende Mitarbeiter für den Verkauf zu finden. „Viele bevorzugen Großbetriebe als Arbeitgeber in unserer Region. Wir suchen händeringend nach geeigneten Kandidaten/-innen, um auszubilden. Es kommt nichts – und das was kommt, ist leider oft für den Beruf nicht geeignet“, so Ali Ökcü, Ausbilder und Geschäftsführer des Autohauses. Ökcü hat vor 10 Jahren selbst dort seine Ausbildung absolviert. „Kleinbetriebe werden schlichtweg unterschätzt und das finde ich sehr traurig.“, fügte Ökcü hinzu. Gemeinsam mit Cesur haben sie einige Jugendliche erfolgreich durch die Ausbildung gebracht.


Martina Gießübel lobt das Engagement vieler Unternehmen, um Jugendliche für eine Ausbildung oder einen Arbeitsplatz zu gewinnen. Dabei würden sie gelegentlich auf sehr unterschiedliche Vorstellungen von der Arbeitswelt stoßen. Die große Kunst werde es sein, völlig unterschiedlich tickende Generationen auf einen Nenner zu bringen. Nur so könne man es allerdings gewährleisten, dass unsere Wirtschaft in Deutschland weiterhin gut laufen könne.